Ist die Absolvierung der Grund- und Aufbaukurse verpflichtend für alle Fachärzte und Allgemeinmediziner?

Grundsätzlich nicht, denn die Kurse sind v.a. Voraussetzung für diejenigen, welche Strahlenschutzbeauftragte werden wollen.

Wo und wie kann man Strahlenschutzkurse absolvieren?

Kurse zum Strahlenschutzbeauftragten werden von einer Reihe verschiedener Organisationen österreichweit angeboten. Entscheidend ist, dass die Kurse behördlich anerkannt sind und der Besuch durch ein Zertifikat, das nach Kursende ausgehändigt wird, bestätigt ist.

Die Inhalte der Kurse, ihre Dauer, ihre Kosten und etwaige Zusatzleistungen sind bei den einzelnen Anbietern unterschiedlich, so dass sich ein Preis- und Qualitätsvergleich lohnt. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass bei Non-profit-Organisationen kostengünstigere Angebote zu finden sind.

Strahlenschutzkurse sind modular aufgebaut, d.h. dass nach einem für alle verpflichtenden Grundkurs der für die jeweilige Fachrichtung nötige Aufbaukurs (Radiodiagnostik, Nuklearmedizin oder Strahlentherapie) zu absolvieren ist.

Wodurch sind die Inhalte der Kurse vorgegeben?

In allen behördlich anerkannten Kursen zum Strahlenschutzbeauftragten sind die Lehrziele nach den Vorschriften der Strahlenschutzverordnung festgelegt. Der detaillierte Inhalt der Verordnung, in der neben einer theoretischen Belehrung auch eine genau festgelegte Stundenanzahl an praktischen Übungen vorgeschrieben ist, lässt im allgemeinen wenig Spielraum für Modifikationen des vorgetragenen Lehrstoffes.

Bekommt man eine Kursbestätigung?

Sie wird nach Kursende vom Veranstalter ausgehändigt und dient zur Vorlage bei der entsprechenden Behörde.

Was ist ein Strahlenschutzbeauftragter?

Laut Strahlenschutzgesetz (§ 2) ist dies eine Person, die vom Bewilligungsinhaber einer Strahlenanlage damit betraut ist, die Angelegenheiten des Strahlenschutzes wahrzunehmen.

Wesentliche Voraussetzung, um Strahlenschutzbeauftragter zu werden, sind Kenntnisse im Strahlenschutz. Dies sind im medizinischen Bereich erstens ein abgeschlossenes Hochschulstudium bzw. eine Ausbildung im radiologisch-technischen Dienst, zweitens die Absolvierung von Kursen zum Strahlenschutzbeauftragten (§28 der Strahlenschutzverordnung) und drittens ein Jahr Berufsausübung.

Zu den wesentlichen Aufgaben des Strahlenschutzbeauftragten gehören nach § 31 der Strahlenschutzverordnung die Durchführung von Belehrungen und die Führung von Aufzeichnungen darüber, die Festlegung von Strahlenschutzmaßnahmen bei den einzelnen Arbeitsvorgängen sowie die Obsorge für die Funktionstüchtigkeit der Geräte.

Stimmt es, dass man den Grundkurs nicht benötigt und nur einen der Aufbaukurse machen muss?

Das trifft nicht zu, denn die Kurse sind modular aufgebaut. Es war aber in der Praxis oft so, dass sich diejenigen Ärztinnen und Ärzte, die nach der Studienordnung Medizin, welche zwischen 1979 und 2001 gültig war, ihr Studium beendet haben, mit dem Bestehen der Teilprüfung "Radiologie und Strahlenschutz" den Grundkurs "ersparen" konnten. 

Die österreichischen Behörden erkannten das Zeugnis dieser Teilprüfung als Grundkurs an. Dies ist aber seit der Novelleirung der Allgemeinen Strahlenschutzverordnung im Jahr 2006 nicht mehr so klar, weil hier der Umfang und Inhalt der Ausbildung neu geregelt wurde, und die dort im §95 definierten Übergangsbestimmungen für Kollegen, die jetzt erstmals Strahlenschutzbeauftragter werden wollen, nicht mehr gelten.

Wenn dies auf Sie zutrifft, klären Sie dies vorab bitte mit Ihrer zuständigen Behörde ab, der VMSÖ empfiehlt in jedem Fall trotzdem die Absolvierung des Grundkurses.

Wird der Strahlenschutzkurs für die Facharztprüfung anerkannt?

Grundsätzlich nicht, denn Facharztprüfung und Strahlenschutzkurse beruhen auf völlig getrennten gesetzlichen Grundlagen.

Was die Facharztprüfung Radiologie-Diagnostik betrifft, so sind die eng zusammenarbeitenden radiologischen Fachgesellschaften ÖRG, BuRa bzw. VBDO und VMSÖ bemüht, das Prozedere der Prüfung und der Kurse so zu gestalten, dass die Inhalte sinnvoll abgestimmt sind und der Ablauf für alle Ausbildungsärzte reibungslos ist.

Werden die österreichischen Kurse auch in anderen EU-Ländern anerkannt?

Ja, denn nach Artikel 7 der EU-Richtlinie 97/43/EURATOM haben sich alle EU-Mitgliedstaaten verpflichtet, die gegenseitige Ausbildung anzuerkennen.

Ein Vergleich mit Deutschland und der Schweiz zeigt, dass unsere Ausbildung nicht wesentlich von der in diesen Ländern abweicht und grundsätzlich einen guten Standard darstellt.

Für Auskünfte betreffend die Situation in Deutschland stehen Experten der Vereinigung Deutscher Strahlenschutzärzte VDSÄ zur Verfügung.

Ich habe meine Kursbestätigung verloren, wo bekomme ich ein Duplikat?

Wenn sie nicht wieder auftaucht, wird Ihnen (hoffentlich) der Veranstalter des Kurses, den Sie absolviert haben, ein Duplikat ausstellen.

Sind durch die neuen EU-Strahlenschutzrichtlinien Änderungen der Ausbildung zu erwarten?

Im Wesentlichen nicht, es werden sich allerdings viele Details der Lehrziele ändern. Nach den EU-Richtlinien gibt es eine Ausbildung während des Medizinstudiums und eine postpromotionelle Ausbildung zum Strahlenschutzbeauftragten. Zusätzlich werden regelmäßige Fortbildungen für alle im Strahlenschutz tätigen Personen verlangt.

Dieses prinzipielle System ist in Österreich bereits seit etwa 20 Jahren eingeführt.

Wie sieht die Ausbildung zum Strahlenschutzbeauftragten aus?

Es handelt sich um ein modular aufgebautes Ausbildungssystem, das aus einem Grundkurs und, je nach Fachrichtung, Aufbaukursen für Radiodiagnostik, Nuklearmedizin und Strahlentherapie besteht.

Was sind "Belehrungen" im Strahlenschutz?

Belehrungen sind im §31 der Strahlenschutzverordnung und in der EU-Richtlinie 97/43/EURATOM definiert. Sie obliegen dem Strahlenschutzbeauftragten und beinhalten Informationen über mögliche Gefahren und einzuhaltende Sicherheitsmaßnahmen bzw. Verhaltensmaßregeln.

Eine Belehrung ist durchzuführen:

  • wenn eine Person ihre Tätigkeit im Umgang mit ionisierender Strahlung aufnimmt,
  • in regelmäßigen Abständen (üblicherweise jährlich)
  • wenn Fehlverhalten vorliegt (z.B. fehlerhafte Aufnahmetechnik zu lange Durchleuchtungszeiten),
  • wenn es relevante technische Neuerungen gibt.

Über die Belehrungen sind Aufzeichnungen zu führen, die der Behörde auf Verlangen vorzulegen sind. Diese Aufzeichnungen beinhalten vor allem die durch persönlcihe Unterschrift bzw. Bestätigung nachgewiesene Teilnahme aller anwendenden Fachkräfte im jeweiligen Bereich. Daneben wird vielfach von den Behörden eine Protokollierung der Inhalte der Belehrung gefordert.

Vom VMSÖ wird, um die Tätigkeit der jährlichen Belehrung zu erleichtern, ein jährlich aktualisiertes, standardisiertes Protokoll in der Verbandszeitung publiziert, das als Inhaltsangabe und Unterlage dienen kann. Vor allem aber werden jährliche Tagungen und wissenschaftliche Abende organisiert, deren Teilnahme als Belehrung gilt.

Letztes Update: 19. Februar 2011 © Verband für medizinischen Strahlenschutz in Österreich | Joomla! basierte Webentwicklung von Artwork4Joomla © All Rights Reserved. | Webdesign von create.at