Betrifft: Warnung vor Rissen in Strahlenschutzschürzen

Nach einem sehr interessanten und aufschlussreichen Gespräch mit dem Hersteller der Xenolite Schürzen erscheinen mir - einerseits aus Gründen der Fairness und andererseits um eine allzugroße Verunsicherung der Verwender hintanzuhalten - folgende Ergänzungen bzw. Richtigstellungen zum Schreiben betreffend die Rissbildungen in Strahlenschutzschürzen notwendig:

Bei der Angabe des Herstellungsdatums der Schürzen ist mir leider ein folgenschwerer Fehler unterlaufen, den ich bedaure und hiermit richtig stelle: Richtig ist, dass die Schürzen zum Teil erst 1997 angeschafft wurden, falsch ist aber, dass auch später angeschaffte Schürzen betroffen waren. Eigentlich hätte die entsprechende Passage daher lauten müssen: Diese Schürzen waren (zumindest zum Teil) erst 1997, teils aber auch schon früher (und nicht: oder später) angeschafft worden.

In Ergänzung zu meinen Ausführungen möchte ich zur besseren Einschätzbarkeit möglicher Schäden an Schürzen unsere Erfahrungen etwas detaillierter darlegen: Der Schaden an der Schürze, welcher die Angelegenheit ins Rollen brachte, bestand in einem Abriss der Strahlenschutzschicht an der oberen Naht, wobei in der Folge sich diese Schutzschicht aufgrund der Schwerkraft nach unten absenkte, woraus wiederum ein längerer Längsriss resultierte. Dieser Schaden war vermutlich auf einen Fehler bei der Produktion (schlampiges Nähen) zurück zu führen. Für alle Schürzen, bei denen möglicherweise ein derartiger Fehler vorlag, hat die Firma Lite Tech kostenlosen Ersatz geboten.

In unserem Haus wurden 143 Schürzen mittels Durchleuchtung überprüft, dabei fanden sich verschiedene Arten von Defekten: Risse, Brüche des Schutzmaterials, größere Löcher (etwa 1-5 mm), stecknadelkopfgroße Löcher und, wie oben erwähnt, an der Naht ausgerissene und infolgedessen "herabgefallene" Schutzschichten. Insgesamt wurden 35 Schürzen ausgeschieden, die von verschiedenen Erzeugern stammten (neben Lite Tech Xenolite auch von Infab, SIRAD, Dr. Goos und Mavig).

Von den Xenolite-Schürzen fanden sich 8 mit Brüchen oder Rissen im Schutzmaterial, das Alter dieser Schürzen betrug 3 ½ bis 6 Jahre (durchschnittlich 5 Jahre). 10 weitere wiesen andere Defekte wie Risse und Löcher auf, was einerseits durch unsachgemäßen Umgang oder durch schlampiges Nähen verursacht sein kann.

Die übrigen 17 Schürzen wurden wegen Brüchen, Rissen oder Löchern ausgeschieden. Es handelte sich dabei um je 4 Schürzen der Firmen Infab und Mavig, 2 von SIRAD und 7 von Dr. Goos. Die Infab-Schürzen waren 7-8 Jahre alt, von den anderen war das Produktionsdatum nicht mehr zu erheben, sie waren vermutlich 7 bis mehr als 12 Jahre alt.

Die Schlussfolgerungen, die wir in Wels aus diesen Erfahrungen ziehen, möchte ich nochmals wie folgt zusammenfassen:

  1. Strahlenschutzschürzen sind relativ sensible Gebrauchsgegenstände, die wie alle Gebrauchsgegenstände einer Abnützung unterliegen. Eine regelmäßige Überprüfung auf Funktionsfähigkeit ist daher aus Gründen der Sicherheit unerlässlich. Obwohl es in Österreich keine detaillierten Vorschriften für die Überprüfung gibt, halten wir eine jährliche Durchleuchtung - wie es z.B. in den USA vorgeschrieben und beispielsweise im Rahmen der Gebrauchsinformation der Lite-Tech-Xenolite-Schürzen auch empfohlen ist - für unbedingt notwendig.
  2. Wenn auch die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Mängeln an Schürzen mit zunehmendem Alter derselben größer wird, so haben unsere Erfahrungen gezeigt, daß durchaus auch neuere Modelle von Mängeln betroffen sein können.
  3. Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang sicherlich auch der sorgfältige Umgang mit der Schutzkleidung, da Materialbrüche auch die Folge von unsachgemäßer Lagerung oder Aufbewahrung sein können. Wenn eine Schürze mehrmals täglich achtlos in eine Ecke geworfen wird, sind eventuell auftretende Mängel sicherlich nicht dem Material anzulasten. Löcher wiederum können durch Kontakt mit scharfen oder spitzen Gegenständen hervorgerufen werden. Auch wenn diese Dinge als Banalitäten erscheinen mögen, ist es dennoch wichtig, das Personal auf diese Umstände immer wieder hinzuweisen.
  4. Eine Besonderheit ist bei den Xenolite Schürzen extra zu beachten, diesbezügliche Hinweise finden sich auch in der Gebrauchsinformation (bei den Schäden an unseren Schürzen spielte dieser Umstand keine Rolle): Dieses Material sollte nicht Hitze oder Sonnenlicht ausgesetzt werden, da der Schmelzpunkt relativ niedrig liegt. Bei Hitzeexposition können die einzelnen Schichten nämlich miteinander verschmelzen, wodurch die Elastizität beeinträchtigt und Brüche oder Risse gefördert werden.

Ich hoffe, mit diesen Ergänzungen ein klein wenig zur Erhöhung der Sicherheit beim Gebrauch von Strahlenschutzkleidung und damit bei der Anwendung von Röntgenstrahlen beitragen zu können.

Dr. Wolfgang Fröhler
Strahlenschutzbeauftragter für das Krankenhaus Wels

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Stand: 27.09.2007 16:02:33 [Webmaster VMSÖ]